Die Highlights des Autosalon Genf

 

Der skurrile Trend zur Ikeaisierung des Autos

Wie im Wohnzimmer – so soll man sich in einer Designstudie von Volvo fühlen, die auf dem Autosalon in Genf ausgestellt ist. Auch andere Autobauer präsentieren Ideen für mehr Gemütlichkeit.

Es mag an den immer länger werdenden Staus liegen, in denen die Menschen eben nicht nur auf den Straßen, sondern auch in ihren Autos feststecken. Vielleicht ist es aber auch einfach nur an der Zeit für eine Trendwende. Oder beides.

Fakt ist: Die Autohersteller sind gerade sehr bemüht, es den Autofahrern in den Pkw-Modellen von morgen so lauschig wie möglich zu machen. Wohnzimmeratmosphäre im Wagen schaffen, lautet die Devise der Interieur-Designer. Und bei der fortschreitenden Ikeaisierung kommen sie auf wirklich ausgefallene Gestaltungsideen, wie sich auf dem Genfer Autosalon (noch bis 16. März) zeigt.

Beispiel gefällig? Was da auf der Mittelkonsole und in den Türen von Skodas Coupé-Studie Vision C glitzert, ist feinstes Kristallglas. Eine Verbeugung vor der böhmischen Handwerkskunst, ein Stück Heimat in einem zukunftsweisenden Showcar der tschechischen VW-Tochter.

 

Am liebsten würde Skoda-Designer Jozef Kaban die kostbare Glaskonsole mit eingelassenem Automatikwahlhebel und die Intarsien in den Türverkleidungen bald in einem Serienwagen sehen, wäre da nicht noch das Thema Crashsicherheit. Nach einer Lösung wird gesucht. Aber Plastikpendants dürften keine Alternative sein – zu schmal ist hier der Grat zwischen Kunst und Kitsch.

Skandinavisches Wohnzimmer

Volvo setzt in seiner Genf-Studie Concept Estate auf eine nicht weniger ungewöhnliche Inneneinrichtung: Wollstoffe für Dachhimmel und Fußraum, der Instrumententräger mit rustikalem Sattelleder überzogen, dazu kommen Einsätze aus Holz und Kupfer. Die Intention ist ähnlich wie bei Skoda: im Wagen Raum zum Wohlfühlen schaffen, aber eben auf die schwedische Art.

Die Presseabteilung bringt es auf den Punkt: “Wie in einem skandinavischen Wohnzimmer” sollen sich die Insassen in dieser Umgebung wohlfühlen, wenn im Berufsverkehr wieder mal nichts mehr geht.

Mini versucht das Ganze in seinem Vorserienfahrzeug für den nächsten Clubman auf die lässig-elegante Art: mit Oberflächen im Stil von blau gekalktem Eschenholz und Zierelementen wie Lüftungsumrandungen und Schaltern aus patiniertem Silber. “Die Patina verleiht ihnen den Charakter liebgewonnener und gern benutzter Gegenstände”, wirbt das britische BMW-Tochterunternehmen. Richtig kuschelig wird es in Minis Clubman-Studie durch den Tweedstoff unterm Dach.

Auch wenn gekalktes Holz und patiniertes Silber, Wolle und Sattelleder erst einmal nicht nach Autoausstattung klingen, sind die Hersteller mit solchen Materialien auf dem richtigen Weg, sagt Designprofessor Lutz Fügener von der Hochschule Pforzheim. Im Trend ist, was ehrlich und authentisch wirkt, gerne auch ökologisch.

“Die Kunden fordern zunehmend Material, das in seiner ästhetischen Anmutung und den Gebrauchseigenschaften zwar nach wie vor hochwertig ist, jedoch nicht eine andere Materialität vorspiegelt.” Das klassische Armaturenbrett aus Kunststoff mit Pseudo-Ledernarbung ist out und die neue Natürlichkeit in.

Hanf ersetzt Kunststoff

Sehr ähnlich sieht das Fügeners Kollege Paolo Tumminelli von der International School of Design in Köln. “Der Trend beim Autointerieur geht ganz eindeutig zu nachhaltigen Naturstoffen und leichten Hightechmaterialien.” Dazu zählen laut Tumminelli etwa Hanfverbundfasern, Leichtmetall, Carbon und Stoffsitzbezüge.

“Und wenn Kunststoff eingesetzt wird, dann Hartplastik – endlich wertvoll verarbeitet”, so Tumminelli. Ein gutes Beispiel dafür sind die wahlweise bunten, schwarzen oder weißen Zierblenden an Lüftungsdüsen, Schalthebel, Mittelkonsole und Türen in den neuen, baugleichen Kleinwagen Peugeot 108, Citroën C1 und Toyota Aygo: Sie fühlen sich wertig an, setzen in den Autos Farbakzente – und sie lassen sich leicht austauschen, wenn man sich daran sattgesehen hat.

Für Autokäufer spielen die inneren Werte eines Wagens eine zunehmend wichtige Rolle und die äußere Verpackung verliert an Bedeutung, sagen beide Designexperten. “In den vergangenen Jahren ist deutlich eine Verschiebung des Interesses weg vom Exterieur in Richtung des Innenraums festzustellen”, hat Fügener beobachtet. War in der Vergangenheit das äußere Erscheinungsbild eines Autos für Kunden entscheidend, komme dem Interieur-Design inzwischen fast die gleiche Bedeutung zu.

Trend zum Haus auf Rädern

“Autos kommen kaum mehr zum Fahren, man bewegt sich im Start-Stopp-Modus immer langsamer, immer länger. Daher entdeckt man die Qualität des Innenraums neu”, analysiert Tumminelli. Die Japaner beispielsweise seien da schon so weit, dass sie schmucken Coupés ein “Tall Car” vorziehen – “ein Häuschen auf Rädern, das man nicht von außen, sondern von innen genießt”.

Bei der Materialwahl für Serienautos haben die Innenausstatter natürlich längst nicht die Freiheiten wie für Fahrzeugstudien. “In den Showcars wird mit ehrlichen und natürlichen Materialen experimentiert, um Kundenreaktionen zu ermitteln”, erläutert Fügener. Ist eine Akzeptanz spürbar, müssen die Autobauer überlegen, wie sie die Designideen kostengünstig und alltagstauglich umsetzen können.

Dafür sei häufig ein Umdenken erforderlich – und ein Umschwenken auf andere Materialien, so der Pforzheimer Professor. “Aber dann lässt sich womöglich auch ein Kristallteil auf eine fahrzeugadäquate Art umsetzen.”

Die Wisch-Revolution im Cockpit

Moderne Autos werden beherrscht von der Gestik und Handhabung der Smartphones. Viele werden das vertraute “Klick” oder “Klack” der Drückschalter vermissen. Im Audi TT wird der Beifahrer gar entmündigt.

Bei einer S-Klasse in den 70er-Jahren machte es zweimal “klack”, wenn der Lichtschalter gedreht wurde. Wer im BMW 2002 den Schieberegler der Heizung bewegte, wurde akustisch mit einem leisen Scharren belohnt.

Und wer im VW Käfer die Handbremse nach oben wuchtete, hörte gut vernehmlich jede Stufe einrasten. Vertraute Geräusche, die Technik antwortete auf die Befehle, der Fahrer war Chef im Cockpit.

Bei einem Rundgang auf dem Genfer Autosalon wird deutlich, wie die Smartphone- und Tablet-Generation nach und nach das Auto erobert. Allerorts wird nicht mehr gedrückt, sondern gestreichelt, es wird sanft berührt oder lässig per Handbewegung über einen Monitor gewischt.

Man redet aber auch mit seinem Auto, das heute schon Sprachanweisungen folgt, wenn man ein bestimmtes Musikstück von der integrierten Festplatte abrufen will oder dem Navigationssystem ein neues Ziel diktiert.

In nicht allzu ferner Zukunft können aber auch reine Fahrzeugfunktionen (“Heizscheibe einschalten” oder “Nebelschlussleuchte”) per Stimme aktiviert werden. Kuschelkurs am Lenkrad, die solide Mechanik hat keine Chance gegen elektronische Befehlsvermittlung.

Fahrer soll “eins werden mit dem Auto”

Beispiel Peugeot 308 SW, der mit seinem sogenannten i-Cockpit punkten will. Im geräumigen Kompakt-Kombi sind zwar noch ein paar Druckschalter übrig geblieben, wie der für das Deaktivieren des Schleuderschutzes ESP oder die Parkbremse.

Durchaus wichtige Aufgaben aber werden auf dem 9,7-Zoll großen Touchscreen erledigt, wie zum Beispiel die Einstellung der Klimaanlage oder die Auswahl, ob man eher sportlich oder betont sparsam unterwegs sein will.

Vor allem aber wird die neue Technik den Zugang zu Unterhaltungs- und Informationsangeboten, die per Internet ins Auto kommen, erleichtern. “Das neue Cockpit ist eine entscheidende Innovation für den Fahrer”, sagt Vincent Devos, der Projektleiter für den Peugeot 308. “Er wird nun wirklich eins mit seinem Auto.”

Das können andere natürlich auch, verlangen aber deutlich mehr Geld dafür. So arbeitet das deutsche Premium-Trio am idealen Cockpit der Zukunft, natürlich jeder für sich und hinter verschlossenen Türen. Dabei sehen sich Audi, BMW und Mercedes einem Zielkonflikt gegenüber. Denn für viele der neuen Funktionen ist eine hautnahe Kontaktaufnahme mit dem Monitor nötig.

Das aber hinterlässt Spuren – Fingerabdrücke sozusagen. Und deren nach einigen Tagen unschöner Fettfilm ist mit einem Edelprodukt nicht vereinbar. Deshalb setzten alle auf Bildschirme und runde Zentralschalter zwischen den Vordersitzen, die viele Funktionen in sich vereinen. “Touchscreen-Monitore passen nicht in einen Audi”, meint auch Vorstandschef Rupert Stadler.

 

Standheizung geht während Kaffeepause an

So geht die Nobeltochter von VW bekannte und auch neue Wege. Der Funktionsumfang des kleinen Pads in der Mittelkonsole wird immer mehr erweitert. Auf ihm können schon seit einiger Zeit Buchstaben gekritzelt werden, die der bordeigene Rechner dann in Schönschrift übersetzt und zum Beispiel im Navi als Zieladresse zusammensetzt.

Auch Google-Suche und ähnliches Online-Treiben können so ablaufen. Neu im Audi TT ist die Verlagerung des sonst stets in der Mitte platzierten Monitors ins Armaturenbrett direkt hinter das Lenkrad im unmittelbaren Sichtfeld des Fahrers.

“Der beste Platz für einen Monitor, die Straße bleibt im Blick”, sagt Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg. Ob künftige TT-Beifahrer, die die Route des Navigationssystems dann nicht mehr vor Augen haben, mit dieser Lösung glücklich sind?

Der größte Sprung in der Entwicklung steht aber noch bevor, wenn die Vernetzung vom Smartphone mit dem Auto immer enger und dichter wird. Dann wird man per App unmittelbar auf Fahrzeugfunktionen zugreifen können. Aus der Ferne kann überprüft werden, ob das Auto verschlossen ist oder die Fenster noch geöffnet sind. Auch die Standheizung kann so in Gang gesetzt werden, während man zu Hause noch den Morgenkaffee genießt.

In einem sind sich aber alle einig: Die wichtigsten Elemente müssen auch in Zukunft von Hand bedient werden und nicht per App oder Sprachregelung. Damit nicht jeder Mitfahrer vom Rücksitz aus in die Befehlsherrschaft des Kapitäns an Bord eingreifen kann.

 

Die Automesse der großen Gegensätze

Seit jeher ist der Genfer Salon Premieren-Ort für Luxusautos. Dieses Mal könnten aber die Kleinwagen stärker sein. Auch wenn sich die wichtigste Neuheit noch versteckt.

Auf dem Genfer Salon fahren die Autokonzerne dieser Welt wieder alles auf, was sie haben: neue Modelle zuhauf – Benziner und Diesel, Hybride und reine Elektroautos, sparsame Kleinwagen und ultraschnelle PS-Protze. Der Trend der renommierten Autoshow ist, dass es dieses Jahr nicht wirklich einen gibt.

Immerhin gibt es einen Nicht-Trend. Gab es noch 2011 kaum einen Hersteller, der nicht ein Elektroauto oder Plug-in-Hybriden präsentierte, ist das nun vorbei, wie der Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen feststellt. Nun hätten die Autobauer die “konventionellen Autos wieder fest im Fokus, und sie verdienen gut damit”, heißt es in seiner aktuellen Analyse.

Luxus- und Sportwagen werden also hoch gehandelt im feinen Salon, und jeder stellt gern stolz seine Neuheiten auf diesem Sektor vor. Daimler kommt mit dem Coupé der Mercedes S-Klasse, das auch genau so heißen wird und nicht mehr CL wie früher.

Mercedes stellt das Coupé der S-Klasse neu vor. Der Name CL verschwindet, stattdessen heißt ein S 500 auch in Coupéform S 500 – und trägt einen 450 PS starken V8 unter der Haube.

Der kleine Renault Twingo (3,60 Meter) ist irgendwie verwandt mit dem großen Mercedes – denn der Twingo ist das erste völlig neue Produkt aus der Zusammenarbeit von Renault und Daimler. Der künftige Smart teilt sich mit dem Twingo die technische Plattform, darum hat auch der kleine Renault Hinterradantrieb und den Motor hinten.

 

Ferrari bringt wieder einen Turbo

Zunächst wird es nur den S 500 geben, mit 4,7 Liter großem Biturbo-V8 und 450 PS. Später folgen zwei mächtige AMG-Versionen, eine davon, der S 65 AMG, sogar mit Zwölfzylindermotor.

Ferrari hat den neuen California auf dem Stand, jetzt erstmals mit Turbomotor und 560 PS. Auch McLaren und Lamborghini zeigen neue Sportwagen, und Rolls-Royce wird den stetig wachsenden Erfolg seines Bespoke-Programms feiern: Nur jeder 20. Kunde kauft heute noch den Rolls von der Stange, individualisierte Extras sind in dieser Klientel angesagt, und der klimatisierte Rolls-Royce-Stand in der Messehalle dient stets auch zur Geschäftsanbahnung.

Rolls-Royce hat übrigens auch eine Neuheit dabei: das Facelift des seit fünf Jahren angebotenen Ghost. Nur dass man hier nicht Facelift sagt, sondern Mid-Life Update.

Die Autos für die Schönen und Reichen sehen sich dieses Jahr in Genf einer Flut von Neuheiten vom anderen Ende der Wertschöpfungskette gegenüber. Wichtigstes Kleinstauto des Jahrgangs 2014 ist der Smart, der allerdings auf dem Salon nur in stark getarnter Form vertreten sein wird.

Optisch gibt es nur leichte Retuschen bei der Überarbeitung des Ferrari California. doch unter der Haube ist nun ein komplett neuer Turbo-V8 zu finden, nur noch 3,9 statt 4,3 Liter groß, aber dafür nicht mehr mit 490, sondern mit 560 PS gesegnet. Das Auto heißt offiziell California T.

 

Aus Twingo wird Smart

Am Renault-Stand ist der neue Twingo zu entdecken, und er ist das erste neu entwickelte Auto der Partnerschaft zwischen den Franzosen und Daimler. Auf derselben Plattform wird der viertürige und viersitzige Smart Forfour entstehen, und die Kurzversion davon wird dann der klassische Smart Fortwo.

Genf-Besucher müssen sich das Design des Smart noch herbeifantasieren, da Daimler entschieden hat, den neuen Smart nicht schon jetzt, sondern erst zu Ostern offiziell vorzustellen – bei der dann beginnenden Automesse in Peking.

Der 3,60 Meter lange Renault Twingo trägt wie die beiden Smart-Modelle den Motor hinten, daraus folgt zwingend Hinterradantrieb. In Kleinwagenkreisen ist das ein Alleinstellungsmerkmal; es kann Akzente in der Fahrdynamik setzen, und es ermöglichte den Designern, den Twingo mit einem kurzen Bug auszustatten. Gleichzeitig verliehen sie der Karosserie ein knuffig-rundliches Aussehen. Fährt ein Twingo vorbei, kann man ihn mit einem Fiat 500 verwechseln, aber das muss ja kein Schaden sein – der Cinquecento ist ein erfolgreiches Auto.

Eine noch intensivere Zusammenarbeit pflegt seit gut zehn Jahren der PSA-Konzern (Peugeot und Citroën) mit Toyota. In derselben tschechischen Fabrik laufen die Kleinstwagenmodelle Peugeot 107, Citroën C1 und Toyota Aygo vom Band, deren Nachfolger nun in Genf zu sehen sind.

Das Kleinstwagen-Projekt von Peugeot, Citroën und Toyota geht in die zweite runde, hier ist der Peugeot 108 zu sehen, dessen französisches …

… Schwestermodell heißt Citroën C1, der Toyota hört weiter auf den Namen Aygo. Alle sind kürzer als 3,50 Meter, deutlich frischer gestylt als zu vor, und man kann sie vielfältig individualisieren. Grundpreis: unter 10.000 Euro.

Wenn die Älteren sich jünger fühlen

Während Citroën und Toyota ihre Namen behalten, rückt der Peugeot um einen Zähler auf und heißt nun 108. Im Trio der Kleinen (3,47 Meter) beansprucht er die Rolle des Lifestyle-Modells, da man ihn in vielen Varianten bestellen kann, auch mit Zweifarblackierung. Allein fürs Innenraumdesign gibt es sieben “Designwelten”.

Hier setzt sich ein Trend fort, den BMW mit dem Mini ausgelöst und Fiat beim 500 in der tieferen Preisklasse etabliert hat: Die Individualisierungsmöglichkeiten sind eine Domäne der kleineren Autos geworden – damit sollen junge Menschen zum Kauf verleitet werden, oder Ältere können sich in so einem Wagen ein paar Jahre jünger fühlen.

Gleiches gilt für den Opel Adam, der neben dem Klein-SUV Mokka einiges zur verbesserten Situation der Marke beigetragen hat. Zwar fällt bei kleinen Autos kein großer Gewinn ab, aber auch die Konfigurationsmöglichkeiten für den Adam sind schier endlos, und in den Tiefen der Preisliste kann man hier und da eine gute Gewinnmarge verstecken.

Opel erzählt die Adam-Geschichte weiter mit dem Adam Rocks, der optisch dem SUV-Trend folgt. Die Karosserie liegt zwei Zentimeter höher und ist auffällig beplankt. Gleichzeitig trägt der Adam Rocks ein Stoffverdeck, das sich nach Art eines Schiebedachs binnen fünf Sekunden elektrisch öffnen lässt.

Beinahe-SUV im Bonsai-Format

Zwar fällt der Adam Rocks durchaus auf, doch ist er als Beinahe-SUV im Bonsai-Format nicht allein. VW bietet schon länger den Cross-Up und wird in Genf auch den gerade überarbeiteten Polo in einer Cross-Variante zeigen. Noch mehr Aufsehen dürfte allerdings eine Studie der Wolfsburger Designer erregen: Mit dem T-Roc kündigt VW an, das boomende Segment der Kleinwagen-SUVs auch bald besetzen zu wollen.

“VW wird so ein Auto bringen, genau wie Audi eines bringen wird”, sagt Audi-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg. Es scheint nur, als habe man wie üblich in Wolfsburg erst mal eine Zeit lang zugesehen, bevor entschieden wurde, ebenfalls in einen wachsenden Markt einzusteigen. So war es bei Minivans und SUVs, aber dieses Mal liegt der Fall etwas anders.

Vor knapp zwei Jahren ist mit dem Audi A3 das erste Modell auf der neuen MQB-Plattform des Volkswagenkonzerns herausgekommen. Diese Plattform wird künftig alle Autos zwischen Polo- und Passat-Klasse beherbergen, denn nur auf MQB ist die gewünschte Flexibilität in Sachen Antriebsart und Modellvarianten möglich.

Der gerade aufgefrischte Polo ist aber noch kein MQB-Auto. “Die heutige Polo-Basis ermöglicht es nicht, ein Auto mit SUV-spezifischer Bereifung zu bauen”, sagt Hackenberg. Daher wartet man ab, bis 2016/2017 eine völlig neue Polo-Generation auf den Markt kommt.

Tolle Extras auch in billigen Autos

Es müssen also manche Projekte auf die Warteliste, bis sich die MQB-Plattform auf alle wichtigen Baureihen im Konzern ausgebreitet hat. Dieser Nachteil, der im Fall der kleinen SUVs die Konkurrenz erfolgreicher Autos verkaufen lässt, soll später durch höhere Flexibilität und große Kosteneinsparungen wieder wettgemacht werden.

VWs Concept Car T-Roc wurde auf der MQB-Basis entwickelt, es misst 4,20 Meter und ist in demselben Coupé-Design gehalten wie der künftige Audi Q1, von dem Audi eine ähnliche Skizze veröffentlicht, aber noch kein lebensgroßes Modell angefertigt hat.

Der VW wird auf dem Messestand zwar wirken, als könne er gleich losfahren (ein 184-PS-Diesel plus Allradantrieb ist eingebaut), doch stempeln ihn manche Details zur Studie: allen voran die herausnehmbaren Dachhälften, die das Auto in der Realität zu teuer machen würden.

Hochwertige Extras sind andererseits nicht länger an große Autos gebunden, wie man an den Drillingen von PSA und Toyota sieht. Sie werden in der Basis unter 10.000 Euro kosten, doch gegen Aufpreis kann man Extras haben, die für ihre Kategorie lange nicht selbstverständlich waren: Klimaautomatik, Rückfahrkamera, großer Touchscreen, schlüsselloser Zugang, Einbindung des Smartphones ins Infotainmentsystem des Autos.

Martktanteil für E-Mobile: 0,2 Prozent

Was den in Genf vorgestellten Kleinwagen fehlt, ist nur der Ausblick in das Zeitalter nach dem Öl. Denn erst wenn auch erschwingliche Autos zu günstigen Preisen elektrifiziert werden können, gibt es überhaupt eine Chance für den Durchbruch alternativer Antriebe. Doch da sieht es noch düster aus.

Vielleicht zieht man einfach in Betracht, dass die Kunden immer noch skeptisch sind, was wiederum Investitionen riskant macht. Ferdinand Dudenhöffer schreibt, dass in Deutschland 2013 genau 6379 Elektroautos neu zugelassen wurden, was einem Marktanteil von 0,2 Prozent entspricht.

Im Boom-Markt China habe dieser Wert sogar nur bei 0,11 Prozent gelegen. Modelle wie der E-Golf zu Preisen von knapp 35.000 Euro “haben keine Chancen im Markt”, lautet Dudenhöffers vernichtendes Urteil. Ähnliches kann man für Plug-in-Hybride erwarten.

Die vermeintlichen Zukunftsautos haben diesmal in Genf Seltenheitswert. VW stellt zwar den Golf GTE aus (Plug-in-Hybrid mit 204 PS), und Kia bringt den Soul EV (Elektroauto mit 200 Kilometer Reichweite), doch dann muss man schon zu den Exoten schauen, um weitere Neuheiten zu elektrischen Antrieben zu sehen.

Man zeigt, was man verkaufen kann

So wird die NanoFlowcell AG aus Liechtenstein ein Forschungsfahrzeug namens Quant vorstellen, das ein völlig neuartiges Energiespeichersystem habe. Mehr wird nicht verraten, nur dass Bosch der Entwicklungspartner ist und das Auto als 5,25 Meter lange Sportlimousine gestaltet sei.

Da lässt der amerikanische Hersteller Tesla grüßen, der mit dem Model S ja auch eine stattliche, hoch motorisierte Elektro-Limousine auf dem Markt hat. Und ein selbstbewusster optischer Auftritt schadet in Genf nie.

Wenn es also einen eindeutigen Trend gibt, dann den: Man zeigt, was man verkaufen kann.

Mercedes-Benz startet die Mensch-Auto-Vernetzung

Für neue Modelle hat Daimler-Chef Zetsche auf dem Autosalon in Genf kaum ein Auge. Denn er will mit Mercedes.me die digitale Vernetzung seiner Pkw vorantreiben – und die Gegner ausstechen.

Etwas ist anders, als Daimler-Chef Dieter Zetsche die Bühne der riesigen Halle des Espace Hippomène in Genf betritt. Zwar ist der Vorstandschef in Topform und zu Scherzen aufgelegt. Was kein Wunder ist. “Wir haben 2013 mehr Autos verkauft als je zuvor, und im Februar dieses Jahres hat unser Absatz erneut zweistellig zulegt”, zieht er Bilanz.

15.000 Mercedes-Modelle hätten vergangenes Jahr in der Schweiz “eine neue Heimat” gefunden. “Und trotz der Immigranten-Debatte hier haben wir das Gefühl, dass diese ‘Deutschen’ in der Schweiz sehr willkommen sind”, witzelt “Dr. Z.” Da müssen sogar die Schweizer im Saal lachen.

Und erst dann fällt allgemein auf: In der Halle steht kein Auto, kein Concept Car, nichts. Zetsche ist mit leeren Händen zum Genfer Automobilsalon gekommen. Oder besser: Mit etwas, das man nicht sehen kann. “Diesmal gehen wir mit Software statt mit Hardware an den Start”, sagt ein Daimler-Manager.

Es ist also so weit in der Branche: Was drin ist im Auto und das Drumherum sind wichtiger als das Automobil selbst. Zumindest bei Daimler in Genf.

Die Menschen werden mit ihrem Auto vernetzt

Nachdem zuletzt das vernetzte Auto zunehmend im Mittelpunkt stand, geht Daimler nun einen Schritt weiter und will die Menschen mit ihrem Auto, weiteren Mobilitätsangeboten und verschiedenen Serviceangeboten vernetzen.

Das Ergebnis ist eine neue Marke mit Namen “Mercedes.me”, auf dieser Internetplattform bündeln die Stuttgarter alle bestehenden und künftigen Dienstleistungsangebote. Im Sommer dieses Jahres soll sie scharf geschaltet werden, und spätestens dann ist klar: Daimler ist nicht länger nur ein Automobilhersteller, sondern ein Mobilitäts- und Dienstleistungskonzern.

Mercedes ist nicht allein mit seiner Initiative. Es gibt kaum einen Autohersteller, der nicht an ähnlichen Angeboten arbeitet oder sie gar schon im Programm hat. BMW etwa. Das Infotainment-Angebot des Münchener Premium-Autobauers firmiert unter dem Namen Connected Drive.

Das Unternehmen bietet Herstellern von Smartphone-Applikationen die Möglichkeit, ihre Programme so anzupassen, dass sie im BMW auch laufen können.

Auch Audi hat viele Ideen für neue Services

An Ideen mangelt es nicht, wie Autohersteller künftig die Infotainmentsysteme mit Inhalten füllen können. “Es gibt viele Ideen für neue Services”, sagt Audi-Marketingchef Luca de Meo der “Welt”. “Wir können das Auto mit der städtischen Infrastruktur vernetzen und auch direkte Kontakte zu den Händlern einrichten.” Audi arbeitet an entsprechenden Möglichkeiten.

De Meo zieht eine Parallele zur Smartphone-Industrie. “Marken wie Apple haben eine digitale Erlebniswelt geschaffen und gleichzeitig verkaufen sie Millionen von Smartphones”, sagt der Manager. “Auch in unserer Industrie denken wir Software und Hardware immer stärker zusammen.”

Doch ob sich damit sofort ein neues Geschäftsmodell verbindet, ist noch offen. “Es ist eine spannende Frage, welche neuen, digitalen Dienstleistungen letztendlich Teil des Geschäftsmodells für die Automobilindustrie werden”, sagt der Audi-Manager.

Andere Manager wagen sich mehr aus der Deckung. “In anderen Industrien ist es bereits so, dass man an den Basisprodukten wenig verdient, dafür aber laufende Einnahmen mit Dienstleistungen hat”, sagt Volker Steinwascher, Chef des chinesischen Hersteller Qoros, dessen Autos serienmäßig mit dem Internet verbunden sind. “Das wird auch in der Autoindustrie so kommen.”

Mercdes.me kann auch das Auto vorheizen

Aber natürlich zielt die neue Plattform vor allem auf die Besitzer von Mercedes-Modellen und solchen, die es werden sollen. Für erstere soll Mercedes.me Auto fahren noch angenehmer machen. Die Plattform hilft, das Auto zu suchen, wenn man den genauen Parkplatz vergessen hat, heizt bei Bedarf den Innenraum vor und ermöglicht nachzuschauen, ob alle Fenster geschlossen sind, wenn es anfängt zu regnen.

Klar, dass man dann die Scheiben per Knopfdruck schließen kann. “Alles ganz einfach”, verspricht Zetsche. “Sie müssen nur ihren Namen wissen und einen Internetanschluss haben, dann bekommt man die Mercedes-ID für alle Funktionen.”

Funktion Nummer drei ist der Wartungsservice, eine Anwendung, die die Serviceintervalle meldet und dabei auf Wunsch gleich einen Termin beim Händler vereinbart. Oder den passenden Händler sucht. Oder bei Bedarf 24 Stunden am Tag einen Ansprechpartner für den Kunden bereithält.

Die “Säulen” vier und fünf bieten Finanzierungs-, Leasing und Versicherungsangebote sowie eine Diskussionsplattform, auf der sich Mercedes-, Technik- und Auto-Fans austauschen können. Die Investitionen in Mercedes.me seien “substanziell”, sagte Daimler-Chef Zetsche, ohne konkreter zu werden.

Auch ein Umsatzziel wollte er nicht nennen. “Aber wenn iTunes oder Amazon komplexe Angebote auf einer Plattform bieten, können wir als Autohersteller nicht abseits stehen”, meint er.

Der Autobauer will mehr über seine Nutzer erfahren

Ein großer Vorteil dieser Plattform liegt jedoch auf der Hand: Mercedes bekommt so wertvolle Kundendaten geliefert und lernt über die Art, wie die Menschen das Internetangebot nutzen viel über deren Vorlieben. So kann Mercedes ihnen später maßgeschneiderte Angebote machen.

Ganz ohne ein Auto wollte dann am Ende Daimler-Chef Zetsche nicht vor das Publikum treten. Am Ende der Show rollte dann doch noch ein Glanzstück auf die Bühne, das neue S-Klasse Coupé. “Ganz ohne Hardware geht es bei uns dann doch nicht. Dann wären wir ja nicht mehr Mercedes”, sagte ein Daimler-Manager.

Der Auftritt des Coupés währte jedoch nur Minuten, viel wichtiger war offenbar vielen im Saal, warum die neue Plattform eine .me-Domain hat, die des Balkan-Zwergstaates Montenegro also. “Na wegen des Wortspiels “mein Mercedes”, nur das ist der Grund”, erklärt einer der Stuttgarter und fügt hinzu: “Könnten wir jetzt endlich Auto gucken?”

 

“Wir verdienen auch mit unseren Elektroautos Geld”

BMW-Chef Norbert Reithofer steht derzeit vor allem wegen seiner Elektro-Strategie unter Beobachtung. Für die Skeptiker der neuen Technologie hat er überraschende Nachrichten zu verkünden.

Der Mann hat ein Luxusproblem. Während sich andere Autohersteller nach wie vor schwer damit tun, ihre Fabriken auszulasten, prüft BMW-Chef Norbert Reithofer offenbar den Bau eines neuen Werkes. Der größte deutsche Premium-Autobauer hat in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht.

Die BMW-Aktie beispielsweise hat viele Aktionäre glücklich gemacht. Auch die aktuellen Prestigeprojekte stimmen Reithofer optimistisch.

PS-Branche mit Vollgas auf der Flucht nach vorn

Von der Flaute auf dem Automarkt ist beim Genfer Automobilsalon nichts zu spüren. Es gibt mehr als 100 Premieren – von der Golf-Sparversion bis zum Drei-Millionen-Auto. Der Teufel steckt im Detail.

Die Nobelmarken jubeln, und die Massenhersteller zittern aus Angst vor der nächsten Autokrise – so lässt sich mit einem Satz die Stimmungslage auf dem Genfer Salon beschreiben. Doch spüren kann man auf der Messe davon herzlich wenig. Denn mit Vollgas tritt die PS-Branche die Flucht nach vorne an und schickt auf der Messe mehr als 100 Premieren ins Rennen, die das Autojahr 2013 retten sollen.

Dabei setzen die Autobosse nicht nur auf ein professionelles Lachen, weil sie es so gewohnt sind, gute Miene zum bösen Spiel zu machen – selbst der seit wenigen Tagen amtierende Opel-Chef Karl-Thomas Neumann schwärmt vom “besten Job der Welt” – vor allem setzen sie auf neue Modelle nach bewährten Rezepten.

“In solch ungewissen Zeiten darf man keine großen Experimente und neue Konzepte erwarten. Da macht jeder das, was er am besten kann”, kommentiert ein VW-Sprecher das sehr vorhersehbare und wenig überraschende Premierenprogramm: Derivate, Karosserie- und Motorvarianten in alle Segmenten und erfolgreiche Konzepte in neuen Formaten – das sind die Zugpferde, mit denen die Volumenhersteller den Karren aus dem Dreck ziehen wollen.

So stellt VW dem neuen Golf schon jetzt wieder einen Kombi sowie die Sportmodelle GTI und GTD und die Sparversion BlueMotion zur Seite. Den Octavia gibt es nur wenige Wochen nach seiner Premiere nun schon mit großer Klappe, Kia baut den Ceed als Dreitürer, der Dacia Logan wird als MCV zur Familienkutsche, Honda liebäugelt mit einem Civic Kombi, und der Seat Leon wird als dreitüriger SC noch ein bisschen sportlicher.

Beim Rundgang über den Genfer Automobilsalon kommt man aus dem Staunen mich raus: Ein Hingucker ist der P1, der Supersportwagen von McLaren.

Rund eine Million Euro (plus Steuern) soll der LaFerrari kosten. Trotz dieses stolzen Preises gibt es bereits mehr als 700 schriftliche Bestellungen für den Supersportwagen.

Etwas komfortabler und auch etwas günstiger ist der neue Rolls-Royce Wraith

Die Messe der Luxusautos

Wo sich die Volumenhersteller um die Basisarbeit bemühen und vor allem auf die Familienväter schielen, schwelgen die Nobelmarken mehr denn je in der Lust an Leistung und Luxus. Schon Alfa Romeo sorgt mit der Serienfassung des 4C für Aufsehen, und Porsche lässt den linken Fuß der Schnellfahrer mit der Aussicht auf einen neuen 911 GT3 schon nervös zittern.

Aber wirklich in die Vollen gehen die Luxushersteller. Denn von energetischer und klimatischer Endzeitstimmung ist keine Rede mehr, die Kaufzurückhaltung bei Brokern, Scheichs und Oligarchen ist vorbei. Die Autos können gar nicht stark, schnell und teuer genug sein.

Statt über Elektrofahrzeuge und alternative Energien staunen die Messegäste deshalb über automobiles Edelmetall, das mit Protz, Prunk und Performance beeindrucken will. Die Sache mit dem Edelmetall kann man übrigens wörtlich nehmen: Der Königsegg Hundra, mit dem die Schweden den Bau des 100. Agara feiern, wurde von einem belgischen Juwelier mit Blattgold verziert.

Weil Luxus läuft und Leistung zählt, machen neben den exklusiven Sportwagenschmieden auch die großen Konzerne mit beim Wettrüsten: Der neue Rolls-Royce Wraith, das Coupé zum Einstiegsmodell Ghost, ist mit seinen 632 PS deshalb das stärkste Auto in der 102-jährigen Firmengeschichte, und der neue Continental Flying Spur ist mit einer Spitzengeschwindigkeit von 322 km/h der schnellste viertürige Bentley aller Zeiten.

Ein Kunstwerk auf Rädern ist der Bugatti Grand Sport Venet. Auf die Karosserie des Wagens hat der französische Künstler Bernar Venet technische Formeln zur Errechnung der Leistungskraft des Motors projiziert. So erwachsen aus einer orangen Lackierung an der Front zahllose Formellandschaften.

Porsche stellt die Neuauflage des 911 GT3 vor.

Während bei Porsche, Bugatti, Lamborghini & Co. der Spritverbrauch eher Nebensache ist, spielt der beim VW XL1 die Hauptrolle. Schließlich soll der Wagen mit weniger als einem Liter Diesel auskommen.

Und auch von der Mercedes A-Klasse gibt es eine neue Variante zu bestaunen.

Lamborghini Veneno, das teuerste Auto der Welt

Auch der Nachfolger des Ferrari Enzo ist ein einziger Superlativ auf Rädern: Als erster Hybrid-Sportwagen der Italiener ist “LaFerrari” mit 963 PS das stärkste Modell in der Geschichte, mit einer Rundenzeit von 1:20 Minuten in Fiorano das schnellste und mit einem Preis von 1,19 Millionen obendrein noch das teuerste.

Obwohl “La Ferrari” das unbestrittene Star der Show ist und selbst faszinierende Sportwagen wie den Alfa 4C oder das neue Corvette Cabrio mühelos überstrahlt, gebührt ihm die Pole Position nicht alleine.

Denn nur ein paar Meter weiter zeigt McLaren nach dem ersten Vorgeschmack aus Paris jetzt detailliert den Supersportwagen P1, der ebenso wie “LaFerrari” auf Hybridtechnik setzt, mit 916 PS ähnlich stark ist und mit 350 km/h auch das Duell auf der Überholspur nicht fürchten muss.

Wenn es jedoch wirklich einen Beleg für die Spaltung des Automarktes in arm und reich, vergnüglich und vernünftig, bodenständig und abgehoben oder erfolgreich und krisengeschüttelt braucht, dann findet man den am Stand von Lamborghini. Dort parkt der Veneno, den sich die Italiener zum 50. Geburtstag geschenkt haben.

Der Wagen hat nicht nur das brutalste Design in der Lamborghini-Geschichte und markiert mit 750 PS und 355 km/h auch auf dem Datenblatt die Spitze. Mit einem Preis von 3.570.000 Euro ist er auch das teuerste Auto der Welt – und trotzdem waren die drei geplanten Exemplare bereits vor der Premiere verkauft. Krise, so könnte man meinen, sieht anders aus.

So angepasst ist das Autodesign der Zukunft

Die Zeit strahlender Visionen scheint vorerst vorbei. Deshalb zeigen die Hersteller auf dem Genfer Salon vor allem Studien, die Kunden auf neue Modelle vorbereiten sollen. Oder sie testen Reaktionen.

Wer wirklich Visionäres sehen will auf dem Auto-Salon zu Genf, der muss suchen. Und selbst dann ist die Ausbeute nicht direkt üppig. Fast scheint es, als wäre die Zeit der großen Entwürfe, der revolutionären Mobilitätskonzepte vorbei. Vielleicht läßt auch der Druck, globalisierte Märkte immer rasanter bedienen zu müssen, immer weniger Raum für Fantasien.

Dabei war Genf traditionell ein Ort für kreative Spinnereien, ein Ort, an dem Designer viele Jahre in die Zukunft blicken durften. Wer es positiv formulieren will, sagt, die Studien des Jahres 2013 seien näher am Käufer als die der Vorjahre. Das ist ja auch ein Wert für sich.

Einer, der zu jeder Ausgabe der Messe etwas Spektakuläres präsentiert, ist der Schweizer Zulieferer und Kleinserienbauer Rinspeed – nicht zuletzt deshalb, weil das das Unternehmen im Gespräch hält. In diesem Jahr zeigt Rinspeed den City-Bus Micromax, eine Koproduktion unter anderem mit Harman, Linde, Eberspächer, Continental und Evonik.

Das pfiffige Gefährt hat E-Antrieb, es lässt seine Passagiere halb sitzen, halb stehen. So finden in dem 3,70 Meter kurzen Gefährt vier Personen nebst jeder Menge Ladung Platz. Außerdem ist der Micromax Teil eines Mobilitätskonzepts, via Smartphone-App sollen sich Fahrgemeinschaften bilden lassen, die Routen, die das Navigationssystem vorgibt, werden dynamisch angepasst.

Toyotas überdachter Roller für zwei

Auch Toyota zeigt ein ungewöhnliches Gefährt in Genf. Das Konzeptfahrzeug iRoad erinnert ein wenig an BMWs einstiges Kabinenmotorrad C1, doch der Japaner hat zwei Sitze und drei Räder, außerdem fährt er elektrisch. Als besonderen Clou sieht Toyota die “Active Lean”-Technologie an mit der der überdachte Roller in Kurven eine automatische Schräglage einnehmen kann.

Dazu zeigt Toyota auch das Concept-Cabrio FT 86, das aus dem aktuellen Sportcoupé GT 86 entwickelt wurde. Die offene Variante wird vom Zwei-Liter-Boxermotor aus dem Coupé angetrieben, 200 PS ist die Leistung.

Mit dem Cabrio testet der Hersteller die Publikumsresonanz, fällt sie positiv aus, wird die “FT 86” genannte Variante gebaut. Auch Zulieferer Magna Steyr zeigt Technologie für offene Autos – ein neuartiges, leichtes Stofffaltdach, das zum Beispiel für den überarbeiteten Peugeot RCZ vorstellbar wäre.

 

Subaru und Citroen zeigen Zukunfts-Designs

Und natürlich spielt auch das Thema “Crossover” eine Rolle. Allradspezialist Subaru zeigt am Genfer See mit dem Viziv Concept einen Ausblick auf künftige Technologien und Formen der Marke. Der hochbeinige Zweitürer mit vier Sitzen und Plug-in-Diesel-Hybridmotor soll einen sogenannten symmetrischen Allradantrieb bekommen – also einen konventionellen Boxermotor für die Vorderachse und einen Elektromotor für die Hinterachse.

Ein sportlich-bulliges Coupé im Mini-SUV-Look hat auch Kia als Studie mit in die Schweiz gebracht. Provo Concept nennen die Koreaner das Mobil, einen kleinen Allrad-Hybriden mit 204 PS, dessen Elektromotor beim Beschleunigen oder in Kurven einen zusätzlichen Schub von 45 PS liefern soll.

Das Konzeptfahrzeug Technospace von Citroen wiederum ist eine Vorschau auf den neuen C4 Picasso. In Genf zeigen die Franzosen, wie der Innenraum in Zukunft aussehen könnte: viel Licht, helle Materialien, besonders komfortable Sitze für den neuen Reisevan und unter anderem ein 12-Zoll-HD-Panoramabildschirm.

Ideen vom Designer-Nachwuchs

Auch Sbarro gehört zu denjenigen, die immer wieder Visionäres mit nach Genf bringen. Diesmal hat das Unternehmen den Réact’E.V. mitgebracht. Sbarro unterhält ein Schulprojekt für junge Designer, auch der elektrische Renner ist davon beeinflusst. Das rassige Leichtgewicht ist nicht nur ein Schaustück für die Messe, er soll auch an der Monte Carlo New Energy Rallye teilnehmen.

Für Alfa Romeo haben die angehenden Entwerfer der Designhochschule IED in Turin gezeichnet, das Ergebnis ist die Lusuxcoupé-Studie Gloria Concept. Das Fahrzeug der Fiat-Tochter dürfte, wie “Auto, Motor und Sport” meldete, entweder von einem V6-Benziner oder einem V8-Biturbo angetrieben werden, es zielt auf die nordamerikanischen und asiatischen Märkte.

Spyker ist eine Manufaktur, die mit einem wiederbelebten Traditionsnamen arbeitet. Nachdem im vergangenen Jahr das Geld für einen Messeauftritt zu knapp war, präsentiert man in diesem Jahr stolz den Vanator. Der leichte Sportler ist ein Neuanfang, der preislich in der Liga gehobener Porsche 911 spielen soll. 125.000 Euro könnten der Preis sein, wenn der Vanator in Serie geht.

Und dann wäre da noch das Über-Auto der Messe: Vom Lamborghini Venen sollen nur drei Exemplare gebaut werden, wohl für Kunden, die sonst aber nun wirklich schon alles haben. Man bekommt ein Auto im aggressiven Rasierklingendesign, mit einem Zwölfzylinder, der aus 6,5 Litern Hubraum 750 PS entwickelt. Der Lohn ist ein Null-auf-100-Wert von 2,8 Sekunden, der Preis liegt bei drei Millionen Euro, plus Steuern natürlich.