Die Besten Modedesigner Englands

Alexander McQueen

 

Lee Alexander McQueen (1969-2010) war einer der renommiertesten und einflussreichsten britischen Modedesigner. Das MKG widmet dem 2010 Verstorbenen eine Hommage mit rund 30 Modellen aus seinen letzten Kollektionen. Zu sehen sind Entwürfe, die der Designer für sein Modelabel Alexander McQueen und für das Haute Couture-Haus Givenchy geschaffen hat. Er war von 1996 bis 2001 Chefdesigner des französischen Modelabels. Mit seinen provokanten, oft abgründigen Kollektionen und spektakulären Modenschauen erhielt McQueen seit Mitte der 1990er Jahre internationale Aufmerksamkeit.

Er setzte Themen und Elemente aus der Kunst- und Sozialgeschichte und aus Technik und Naturwissenschaften in Bezug zur menschlichen Natur. Meisterhaft verwirklichte er seine Ideen zu eleganter Abendmode, extravaganten Anzügen und futuristisch anmutenden Kleidungsstücken und kombinierte auf virtuose Weise innovative und historische Silhouetten, Schnitte und Materialien miteinander. Ergänzt durch ausgewählte Modelle andere Designer, durch historische Mode und andere Medien begibt sich die Ausstellung auf die Spuren der Inspirationsquellen des Designers.

 

 

Der erfolgreiche britische Modedesigner Alexander McQueen schaffte es im März 1995 mit seiner provozierenden Kollektion „Highland Rape“ („Highland-Vergewaltigung“) zum ersten Mal in den Mittelpunkt der Modewelt. Er wurde von der Presse häufig als „Bad Boy“ bezeichnet, doch entwickelte er sich in den vergangenen Jahren zu einem der einflussreichsten Modeschöpfer weltweit. Mehrere Jahre arbeitete er als Chefdesigner bei dem französischen Modehaus Givenchy als Nachfolger von John Galliano. Seit 2000 vermarktete er unter der Gucci Group sein eigenes, nach ihm benanntes Label. Viermal wurde er zum britischen Designer des Jahres gekürt. Trotz Ruhm und einem einmaligen Talent nahm er sich am 12. Februar 2010, im jungen Alter von 40 Jahren, das Leben.

 

Fashion Week Paris H/W 2013

Alexander McQueen

Hommage an Queen Elizabeth I. und Kritik an der katholischen Kirche Großbritanniens – Sarah Burtons Herbst-Winterkollektion 2013 für Alexander McQueen

 

 

 

Gerade mal zehn Outfits hatte die hochschwangere Sarah Burton kreiert, doch die hatten es in sich: Sie wurden in fünf Themenblöcke aufgeteilt, darunter Kommunion, Nonnen, Kardinäle, Päpste und Engel. In ihrer aufwändig gearbeiteten Ausführung erinnern die Looks fast schon an eine Mischung aus Historien-Kostüm und Haute Couture. Es beginnt mit ausgestellten Spitzenkleidern mit Reifrock, verziert mit Mühlsteinkragen, perlenbesetzten Blumen, silberfarbenem Taillengürtel und mit einem perlenbesetzten Gesichtsschutz versehen. Die kostümartigen Kleider steigern sich in höchste Opulenz, es folgen Allover-Perlenstickereien, Schößchenjacken und leicht transparente Kleider mit Miedereinsätzen und perlenbesetzten Netzstrumpfhosen. Dass so mancher Look eher wie ein Revue-Girl aussieht, mag kein Zufall sein. Gerade musste der katholische Kardinal Keith O’Brien in Großbritannien aufgrund eines Sexskandals zurücktreten. Wenn das so ist, hat Sarah Burton es in kürzester Zeit geschafft, Kritik zu üben, die zugegeben, äußerst hübsch anzusehen ist.

Jasper Conran

 

Als einer der führenden Modedesigner in Großbritannien und einer Karriere, die sich über dreißig Jahre erstreckt, ist Jasper Conran ein bekannter Fachmann für Stil und Schneiderkunst. Seine unverkennbare Ästhetik verbindet klassische britische Eleganz mit einer frechen und verspielten Attitüde.

Jasper Conran studierte an der renommierten Parsons School of Design in New York und gründete sein Damen Luxuslabel im Alter von nur zwanzig Jahren. Die geradlinige, moderne Kollektion formte die Basis für sein Designer Unternehmen, welches seitdem gewachsen ist und unter anderem auch maßgeschneiderte Herrenbekleidung, Brautkleider, Parfüme, Brillen und Wohnaccessoires Kollektionen umfasst. Vor kurzem hat sich Jasper Conran mit der Veröffentlichung seines Buches ‘Country’ in die Verlagswelt hineingewagt.

Seine umfangreichen Kollektionen haben bedeutenden Beifall erhalten, insbesondere die Auszeichnung zum britischen Designer des Jahres, einen Lawrence Oliver Award für Kostümdesign und erst kürzlich seine Ernennung zum Officer.

 

1996 brachte er die J by Jasper Conran Damenlinie exklusiv für Debenhams auf den Markt. Die Kollektion, eine der ersten Kaufhaus/Designer Kollaborationen, hat maßgeblich expandiert und umfasst heute Damenaccessoires, Lingerie, Strumpfwaren, Herrenbekleidung, Herrenaccessoires, Kinderbekleidung und Wohnaccessoires.

 

 

 

Paul Smith

 

Als „Classic with a twist“ bezeichnet Paul Smith selbst seinen Stil, denn er macht klassische britische Mode mit leichter Exzentrik und Witz. Neben floralen Prints sind Streifen charakteristisch für seine Designs.

„Classic with a twist“, so bezeichnet Paul Smith selbst seinen Stil, denn er macht klassische britische Mode mit Exzentrik und Witz. Er verwendet auffällige Farben und kombiniert überraschende Materialien mit traditionellen britischen Stoffen wie zum Beispiel Tweed. Seine individuelle und dennoch tragbare Kleidung zeichnen Pastellfarben und Muster aus, vor allem Streifen, aber auch Blumenprints und das Prince-of-Wales-Karo.

Besonders in seinen Sommerkollektionen schöpft er aus den reichen Formen und Farben der Botanik und bedruckt vom luftigen Sommerkleidchen bis hin zum Männeranzug die Stoffe mit Vergissmeinnicht, Stiefmütterchen, Narzissen, Rosen oder Hortensien. Zeitweise kommt man sich auf seinen Schauen vor wie auf einer Gartenschau. So zog sich für Frühjahr/Sommer 2005 das Blumenmotiv durch die gesamte Kollektion, und die Models liefen passend dazu über echten englischen Rasen. Die blumigen Motive sollen seine Designs auflockern und sorgen für die typische Verspieltheit seiner Kollektionen.

Beiname „Herr der Streifen“

Neben den floralen Prints verbindet man Quer- und Längsstreifen unweigerlich mit Paul Smith. Das brachte ihm den Beinamen „Herr der Streifen“ ein. Er zeigt zwar auch gerne unifarbene Entwürfe, aber es ist für ihn kein Tabu, Streifen- mit Blumendrucken zu kombinieren.

Trotz wilder Farb- und Mustermischungen fehlt seinen Entwürfen nie die Eleganz, um darin „absolutely sophisticated“ gekleidet zu sein. Das gelingt ihm vor allem wegen den klassischen Formen, wie dem englischen Herrenanzug, die Smith in seinen Entwürfen verarbeitet und neu interpretiert. Er verpasst den traditionellen Formen einen modernen Zuschnitt, also eine schmale Silhouette, die vor allem seine Männerkollektionen prägt. Deshalb erinnern seine Anzüge auch teilweise an die typischen schmal geschnittenen Sakkos der sechziger Jahre.

 

„Ich mag es klassisch mit Sinn für Humor“

Paul Smith denkt gern in Gegensätzen. „Ich bringe Dinge zusammen, die nicht unbedingt zusammengehören. Das ist sehr britisch, denn wir Briten sind Freigeister.“ „Paul Smith True Brit“ war deshalb auch der Titel der Ausstellung, die das Design Museum in London ihm 2007 zu seinem 25-jährigen Jubiläum widmete. Für seinen unangestrengten Look mit einem Hauch englischer Exzentrik wurde er sogar von der Königin geadelt. 1994 erhielt er den britischen Verdienstorden CBE (Commander of the Order of the British Empire) für seine Leistungen in der Modebranche, im darauf folgenden Jahr gewann er den Exportpreis der britischen Königin.

Über seine Zielgruppe sagt Sir Paul Smith: „Ich mache Mode für entspannte, freundliche und glückliche Menschen mit Verstand.“ Und über seinen Stil: „Ich mag es klassisch mit Sinn für Humor. Die Deutschen, Franzosen und Italiener sind eher formeller.“ Für seine Mode lässt er sich von ganz unterschiedlichen Einflüssen inspirieren: „Ich beobachte überall, ob ich Ferien in Radjasthan mache oder mir in Frankfurt die Hose eines Postboten auffällt.“

Erstes Geschäft mit ein paar hundert Pfund eröffnet

Dabei hatte der 1946 in Nottingham geborene Smith eigentlich mit Mode gar nichts am Hut. Im Alter von 17 Jahren wollte er Rad-Profi werden, bis ihn ein schwerer Unfall für fast sechs Monate ans Krankenbett fesselte. Als er nach seinem Krankenhausaufenthalt entlassen wurde, kam er Ende der sechziger Jahre zum ersten Mal mit den Werken von Andy Warhol, Oskar Kokoschka und David Bailey in Berührung, hörte die Rolling Stones und Miles Davis. Da stand für ihn fest, dass er ein Teil dieser kreativen Welt sein wollte. Mit 18 Jahren begann er, in einem Bekleidungsgeschäft in Nottingham zu arbeiten. So entdeckte er sein Interesse für Mode, und eins fügte sich zum anderen.

Mit ein paar hundert Pfund und der Ermutigung seiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau Pauline Denyer eröffnet er schließlich 1970 einen kleinen Shop in Nottingham. Nebenbei besuchte er Abendkurse für Schnittzeichnen und Schneiderei und konnte mit der Unterstützung von Pauline, selbst Absolventin des Royal College of Art, bald seine Visionen in Kreationen umzusetzen, wobei er langsam einen eigenen Stil entwickelte. Da er sich zu Beginn noch keine Angestellten leisten konnte, stand er selbst im Laden und verkaufte dort seine eigenen Entwürfe. Aus Geldmangel konnte er nur an Freitagen und Samstagen öffnen. Inzwischen macht sein Unternehmen Umsätze von 233 Millionen Pfund pro Jahr.

Inzwischen mehr als 230 Läden weltweit

1976, nur sechs Jahre nach der Eröffnung seines Ladens, zeigte er seine erste Männerkollektion auf den Pariser Laufstegen unter dem Markennamen Paul Smith. 1993 folgte im Oktober seine erste Frauenkollektion für Frühjahr/Sommer 1994. Heute umfasst das Modeimperium Paul Smith mehr als 230 Geschäfte weltweit, davon 200 allein in Japan. Damit ist er dort der meistverkaufte europäische Designer. Seine Linien umfassen zwölf verschiedene Kollektionen, unter anderem Jeans, Accessoires, Schuhe, Parfums, Uhren und sogar Möbel.

Im Mai 1998 eröffnete er in Notting Hills Kensington Park Road ein Geschäft, das unter der Idee „Shop-in-a-House“ stand. Damit hat er sich einen Traum erfüllt, denn er mag es nicht, wenn alle Designershops gleich aussehen und in den üblichen Straßen wie Madison Avenue, Bond Street oder Avenue Montaigne zu finden sind. Ihm ist vor allem der persönliche Kontakt zu seinen Kunden wichtig. In der Kensington Park Road 122 steht er deshalb manchmal sogar selbst noch im Laden, wie damals im Jahr 1970.

 

London Fashion Week

Paul Smith

Fashionshow Frühjahr/Sommer 2013, London

 

80 Prozent Colour-Blocking plus 20 Prozent Mustermix – und wie nennt sich das Ganze dann? Im Frühjahr und Sommer 2013 ohne Frage: Paul Smith-Style. Er hat gezeigt, wie man aus diesen zwei Themen eine ganze, grandiose Kollektion designt.

 

Inspiriert von der Architektur der 50er-Jahre (DAS Thema der aktuellen Schauen) und des Neoplastizismus, widmet sich Paul Smith Farbblöcken und deren Anordnungen. Gleich der Eröffnungs-Look (eine rote Taillen-Bundfaltenhose kombiniert mit einer hochgeschlossenen Bluse, die farblich in Nude und in ein Schwarz-Weiß-Muster geteilt ist) erinnert an den niederländischen Maler Piet Mondrian, der eine strenge Reduzierung der Bildsprache auf horizontale und vertikale Linie – in drei Grundfarben – forderte.

 

 

Auch für die darauf folgenden Looks bleibt der britische Modedesigner bei der Dreifarbigkeit und dem Spiel zwischen (seinen) plakativen Farbflächen in Grün, Gelb und Schwarz und detailverliebten, abstrakten Mustern. Zu finden zum Beispiel an wadenlangen (Blusen-) Kleidern, die an die weibliche Tennis-Garderobe der 20er Jahre erinnern oder an Rock-Blusen- oder Hosen-Blusen-Kombinationen. Sein androgyner Stil bekommt dann doch noch einen Hauch femininen Glamour: mit knappen, sexy Shorts, die auf Höhe der Two-Tone-Blazer enden. Wieder einmal sind es die vielen, kleinen Details – wie kontrastfarbige Krägen oder farblich abgesetzte Säume – die die Kollektion zusätzlich upgraden.

Rigby & Peller aus London erobert Deutschland

Das Wäschefachgeschäft “Rigby & Peller“ ist in London eine Institution mit einer langen Tradition. Seit 2012 gibt es nun auch acht Filialen in Deutschland. Das Ziel der europaweiten Expansion ist es, dass Frauen durch eine fachkundige und persönliche Beratung den für sie passenden BH finden und damit zufriedener und selbstbewusster durchs Leben gehen. Dessous Diary hat sich das Konzept der Briten mal genauer angeschaut…

Wenn man über „Rigby & Peller“ schreibt, muss man ganz von vorne anfangen, denn die Geschichte von „Rigby & Peller“ begann bereits 1936 mit Gita Peller, einer jüdischen Exilantin und Korsettmacherin, die in den frühen 1930er-Jahren aus Ungarn nach Großbritannien floh. Dort wurde sie von Bertha Rigby aufgenommen, die sie fortan bei ihrer Arbeit unterstützt. Anfangs konzentrierten sich die beiden Frauen auf maßgeschneiderte Miederwaren, verkauften Diese in ihrem Laden „Rigby & Peller“ in der Londoner City, der 1939 eröffnete.

 

 

 

 

 

 

 

 

Da die Damen stets ein großes Interesse an  technischem Know-how und Wissen über die perfekte Passform hatten, wurden ihre Mieder-Modelle schnell sehr beliebt und ihre Boutique sehr erfolgreich. So kam es, dass „Rigby & Peller“ im Jahr 1960 zum Königlichen Hoflieferant I.M. Queen Elizabeth II. benannt wurde. Das ist auch der Grund, warum in der Londoner Filiale des inzwischen europaweit expandierten Unternehmens heute noch ein gerahmtes Portrait der Queen hängt.

Im Jahr 2012 wurde „Rigby & Peller“ von dem belgischen Unternehmen „Van de Velde“ gekauft. „Van de Velde“ hatte bis dahin selbst eigene Lingerie-Läden mit dem Namen „Oreia“, wo sie mit ihren eigenen Marken wie „Prima Donna“, „Marie Jo“ und „Prima Donna Twist“ vertreten waren, aber auch Bademode von „Maryan Mehlhorn“ anbieten sowie Loungewear von „Hanro“, „Cyell“ und „DKNY“. Super: Hier gibt es auch die selten zu bekommende Luxusmarke „Andres Sarda“!! Die Oreia-Stores wurden im Zuge der Übernahme zu „Rigby & Peller“ umgewandelt.  Hierzulande gibt es acht Boutiquen, zwei davon in Berlin, fünf in NRW und eine in Hamburg.

Kennzeichnend  ist die kompetente Passform-Beratung durch Lingerie-Stylisten mit großer Erfahrung auf ihrem Fachgebiet. „Unsere Lingerie-Stylistinnen sind sich darüber im Klaren, dass jede Frau einzigartig ist und gewährleisten, dass jede Frau einen exklusiven persönlichen Service erhält, der ihrem individuellen Lebensstil entspricht“, heißt es bei Rigby & Peller.

Mittelpunkt des „Lingerie Styling-Erlebnisses“ ist die großzügige Umkleidekabine, wo der Kundin Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt wird, um die richtige Wahl zu treffen. Dabei begnügen sich die Beraterinnen nicht mit einem flüchtigen Blick auf die Figur: Sie interessieren sich für den Lebensstil und die Persönlichkeit einer Frau. Ziel ist es, den Frauen durch die passende Wäsche ein Gefühl von Selbst- / Körperbewusstsein und Wohlgefühl zu geben. Denn das ist oft viel wichtiger als die Farbe des BHs oder die Spitzenkante am Höschen, oder?

 

Adressen der “Rigby & Peller”-Stores in Deutschland:

Berlin Steglitz // Zimmermannstraße 39 // 12163 Berlin //

Montag – Samstag: 10.00 – 19.00 Uhr

Berlin Marzahn // Marzahner Promenade 1// Eastgatecenter 12679 Berlin

Montag – Donnerstag: 10.00 – 20.00 Uhr, Freitag-Samstag: 10.00 – 21.00 Uhr

Hamburg // Alsterarkaden 12 // 20354 Hamburg

Montag – Freitag: 10.00 – 19.00 Uhr, Samstag: 10.00 – 18.00 Uhr

Bonn // Vivatsgasse 9// 53111 Bonn

Mon – Frei: 10.00 – 19.00 und 10.00 – 18.00 Uhr

Dortmund // Betenstraße 20 // 44137 Dortmund

Montag – Freitag: 10.00 – 19.00 Uhr, Samstag: 10.00 – 17.00 Uhr

Duisburg // Königstraße 2 // 47051 Duisburg

Mon – Frei: 10.00 – 19.00, 10.00 – 18.00 Uhr

Düsseldorf // Blumenstraße 24 // 40212 Düsseldorf

Montag – Freitag: 10.00 – 19.00 Uhr; Samstag: 10.00 – 18.00 Uhr

Köln// Ludwigstraße 2-6 // 50667 Köln

Montag – Freitag: 10.00 – 19.00 Uhr, Samstag: 10.00 – 18.00 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stella McCartney

 

“Stella Steel” nennt man Stella McCartney am Rande ihrer einzigartigen Defilees. Die Ultrakreative kämpfte schon früh um Unabhängigkeit

Für ihre Kommilitonen auf dem “St. Martins College for Art” in London war es glasklar: Diese Stella McCartney wurde mit dem goldenen Löffel im Mund geboren und hatte null Talent. Papa Paul war Milliardär und einer der berühmtesten Musiker überhaupt, was sollte die schon können – auch wenn die Tochter eine Karriere als Modedesignerin und nicht Musikerin anstrebte? “Daddy’s Girl” wurde Stella lange Zeit verächtlich genannt. Niemand wollte glauben, dass sich dieses junge Ding – mit 15 Jahren war sie bereits auf eigene Faust nach Paris gegangen, um bei Christian Lacroix zu assistieren – das alles selbst erarbeitete.

Dabei hatte sie früher weder eine Nanny noch einen Chauffeur, arbeitete sogar mal als Tellerwäscherin – und hätte niemals ihren Dad um Kohle für Designerklamotten angebettelt. Spätestens, als ihre Diplomkollektion einschlug wie eine Bombe (lag auch daran, dass Stellas Freundinnen Naomi Campbell und Kate Moss sie vorführten), verstummten die Neider. “Ich habe mein ganzes Leben dagegen gekämpft, diesen Namen zu tragen”, sagt Stella. Dass ihr Weg an die Modespitze trotzdem anmutet wie ein Sonntagsspaziergang, liegt vor allem an Stellas Talent und ihrem untrüglichen Gespür für neue Trends.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im März 1997 wurde sie zur Chefdesignerin bei Chloé. Karl Lagerfeld hatte man gefeuert, weil die gerade mal 26-Jährige das Image der Marke aufpolieren sollte. Die aufreizenden und zugleich romantischen Spitzenröcke und Petticoats oder die zarten Leibchen waren damals ein gewagter Schachzug, weil total aus der Mode. Aber Stellas Mut wurde belohnt. Sogar der verstoßene “Karl der Große” holte zum verbalen Ritterschlag aus und bezeichnete Stella als die Mode-Personality überhaupt. In der schillernden Modewelt hieß die Erfolgsfrau fortan ehrfürchtig “Stella Steel”, obwohl sie ein äußerst warmherziger und fröhlicher Mensch ist.

Mittlerweile ist “Stella McCartney” natürlich längst ein unabhängiges Label. Was auf den Laufstegen in Paris und Mailand leider viel zu selten vorkommt: Viele ihrer Entwürfe sind von Humor durchsetzt. Etwa die frechen Früchte auf ihren Blusen oder die Ballonkleider für den Sommer 2007, die aussehen wie Ganzkörper-Puffärmel. Bei einem Thema versteht Stella allerdings keinen Spaß: Heather Mills, ihrer drei Jahre älteren Ex-Stiefmutter. Von Anfang an waren Stella und ihre Geschwister Heather, Mary und James Louis gegen die Hochzeit von Paul McCartney und der “geldgierigen Kuh” (O-Ton Stella), daher wird sie wird sich freuen, dass die Scheidung der beiden nun durch ist.

 

Fashionweek Paris

Stella McCartney

Fashionshow Frühjahr/Sommer 2013, Paris

 

Oversize but sporty – Stella McCartney lässt ihre olympischen Erfahrungen in ihre Frühjahr/Sommer-Kollektion für 2013 einfließen und mixt sie mit Oversize-Schnitten und zarten Organza-Stoffen.

 

Auch wenn ihre olympischen Outfits für Kontroverse sorgten, Mode- und (Stella-)Fans fanden McCartneys “Elvis”-Entwürfe durch die Bank erfrischend: schön. Sportlich, ja – aber eben Stella. Bewährt hat sich ihr Gespür für Sportmode schließlich schon dutzendfach. Warum sollte sie dann all diese Einflüsse nicht auch einmal (wieder) in ihre eigene Kollektion mit einbringen? Blouson-Jacken, fließende Trikotkleider und Trainingsanzüge waren erst auf den zweiten Blick als (ehemals) Sportbekleidung zu erkennen. Stella McCartney wäre nicht Stella McCartney, hätte sie es bei dem Offensichtlichen belassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

“Eine Unterhaltung zwischen Mann und Frau, zwischen Mut und Zerbrechlichkeit”, diese Zeile gab sie den Gästen mit auf den Weg, um den Gegensatz ihrer Entwürfe zwischen perfekt geschnittenen Anzug- und Smoking-Elementen und ihren fließenden plissierten Organza-Stoffen, zwischen Knallfarbe und See-through-Stoffen, zwischen Weiß und Schwarz zu erklären, das sie hauptsächlich einsetzte.

Ellipsen-Motive in knalligem Orange, Royal-Blau oder Jade-Grün setzte McCartney als fröhliche Botschaft ein, sie wollte ihre Kundinnen glücklich sehen, wie sie sagte, und selbst die Models sollten lächeln. Die Erlaubnis haben sie schließlich kaum bei anderen Designern. Liebliche Blumen-Prints bildeten zu den grafischen Weiß-Knallfarbe-Looks noch ein zusätzliches, konträres Stilelement.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vivienne Westwood

 

Provokant ist Vivienne Westwood: Gegen Puritanismus gewandt, erschien sie zur Ehrung bei der Queen ohne Slip in Seidenstrumpfhose

Vivienne Westwood hat mit 66 Jahren schon viel erlebt und noch mehr initiiert. Ihr “erstes Leben” spielte sich in einem Arbeiterdorf bei Manchester ab. Ihre Mutter Dora Ball war Weberin in der örtlichen Baumwollspinnerei und ihr Vater Gordon Swire kam aus einer Familie von Schuhmachern. Im Großraum von London besuchte Vivienne ein Semester lang die “Harrow Art School”, wo sie Mode und Silberschmiedekunst belegte. Mit derartigen Höhenflügen könne man ja nicht seinen Lebensunterhalt verdienen, meinte sie, wurde Grundschullehrerin und unterrichtete ab 1961 zehn Jahre lang im Norden Londons. Ein Jahr später heiratete sie den Werkzeugmacher Derek Westwood und bekam mit ihm den Sohn Benjamin “Ben” Arthur. Drei Jahre später reichte sie die Scheidung ein – mit seinem Nachnamen “Westwood” würde sie einmal weltberühmt werden.

In Viviennes “zweitem Leben” verliebte sie sich in einen Freund ihres Bruders, den umtriebigen Malcolm Edwards alias McLaren, der die Band “The Sex Pistols” zusammengebracht hatte. Seine exzentrischen Ideen faszinierten sie so sehr, dass sie ihr konventionelles Leben aufgab. 1967 kam ihr gemeinsamer Sohn Joseph Ferdinand Corre zur Welt. Dieser sollte später einmal in Mamas Fußstapfen treten und mit seinem Dessous-Label “Agent Provocateur” sexy Unterwäsche gesellschaftsfähig machen.

 

Während London noch in Flowerpower schwelgte, machte Vivienne mit Malcom 1971 ihren ersten Laden in der 430 Kings Road in Chelsea auf: “Let it Rock” war das Motto für ihre Auswahl an Original 50er-Jahre Mode mit James-Dean-Touch und Pin-Ups an den Wänden. Der Laden wurde fortan immer wieder umbenannt und umdekoriert. Malcolm hatte die Ideen und Vivienne setzte sie um. “SEX” mit “Gummikleidung für das Büro” war das Motto ab 1973. Pornographische Graffitis, Gummigardinen, Ketten, Vorhängeschlösser, Stöckelschuhe und alle Arten von Fetischmode waren ziemlich einmalig seinerzeit. Die “Sex Pistols” hingen oft im Laden ab, der nun “Segitionaries” (eigene Wortschöfpung: Verführung zur Revolte gegen jegliches Establishment) hieß. Malcolm wurde ihr Manager: Mit “God Save the Queen” hatten die Pistols 1977 einen Nr.1-Hit und machten bei jedem Auftritt Werbung für Viviennes Mode. Doch die war schon wieder einen Schritt weiter und machte 1981 mit ihrer ersten Piraten-Kollektion Furore. 1984 schaffte sie den Absprung von Malcom und schaffte den Sprung nach Paris. Po-Kissen unterstützten Röcke und wurden zehn Jahre später von Versace im Domina-Look aufgegriffen. 1987 machte Naomi Campbells Sturz mit den 25 Zentimeter hohen “Kothurnen”, jenen dicksohligen Schuhen inspiriert durch antike Tragödien, Viviennes Mode-Revolutionen weltweit noch bekannter.

Von 1989 bis 1991 lernte sie während ihrer Professur an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien Andreas Kronthaler kennen. Seit 1993 ist sie mit einem ihrer begabtesten Studenten verheiratet, drei Jahre später übernahm er die Männerkollektion. Auch ihre Berliner Studenten haben ihre couragierte Art kennengelernt. Im Jahr 2006 wurde sie zur “Dame Commander of the Order of the British Empire” ernannt. Mit 66 Jahren denkt Vivienne überhaupt nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. Gerade lanciert sie ihren neuen Duft “Let it Rock”, benannt nach ihrem ersten Shop, in dem die Geschichte ihren Lauf nahm.

 

Fashion Week Paris H/W 2013

Vivienne Westwood

Punk, Pirat, Grande Dame, Powerfrau – Lady Westwood düst durch die Jahrhunderte und häuft Ideen an

 

 

Und das ist durchaus wörtlich gemeint. So kann ein aktueller Herbstlook aus Tupfen-Overkneestrümpfen, Zuppelrock, XL-Message-Pulli und Fransenkapuzencape bestehen. Aus einem unfassbar aufgeblasenen Ballkleid mit Ballonrock und Puffärmeln. Aber genauso gut aus einem perfekt sitzenden, nüchternen Nadelstreifenanzug. Oder einem hochgeschlossenen Mädchendress mit braver Blumenstickerei. Fantasie war noch nie das Problem von Vivienne Westwood. Schneidern kann sie auch wie eine Eins. Aber der rote Faden fliegt ihr manchmal davon. Übrigens: die Inspiration zu dieser Kollektion kam aus dem Mittelalter. Es geht um das Crossover der Kulturen, als die Kreuzritter von Persien nach Europa zurückkamen. Alles klar?