Deutsches Volk hat Angst vor dem Euro-Aus, Gold weckt die begierde der Deutschen

Trotz wachsender geopolitischer und ökonomischer Risiken tritt der Goldpreis seit Jahren auf der Stelle. Eine Studie zeigt: Anleger stört das gar nicht, denn das Edelmetall hat eine besondere Stärke.

 

Nach gängiger Lehre hatte der Goldpreis einen ungewöhnlichen Start in die Woche. „Eigentlich hätte Gold als sicherer Hafen und Krisenwährung glänzen müssen“, schreiben die Rohstoffexperten der Commerzbank.

Am Wochenende der Handelsstreit zwischen den USA und China weiter eskaliert, zudem hätte auch die schwelende Unsicherheit im Asylstreit in der Union jederzeit das Zeug, die Finanzmärkte zu beeinflussen. Von der Euro-Krise, die sich mit der jüngsten Entwicklung in Italien auf der Agenda zurückmeldete, gar nicht zu reden.

Doch nichts von alledem ist derzeit dazu angetan, dem Goldpreis neuen Schwung zu verleihen: Seit rund fünf Jahren bewegt sich die Notierung für das gelbe Metall in einem vergleichsweise schmalen Band zwischen 1050 und gut 1400 US-Dollar.

Die Anleger haben dieses Muster anscheinend verinnerlicht – und schreiben es in die Zukunft fort: Sie glauben zunehmend weniger daran, dass sich der Besitzstand von Gold wegen guter Renditechancen lohnen würde. Gleichzeitig nehmen sie nichtsdestotrotz offenkundig die Häufung von Gefahrensituationen geopolitischer und wirtschaftlicher Natur wahr und schätzen das Edelmetall klar stärker als Wertspeicher und Sicherheit für denkbare Krisen.

Quelle: Infografik WELT

 

Das sind die Kernergebnisse einer Erhebung zum Themenfeld Geldanlage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa in Beauftragung von „pro aurum“ gesammelt hat. Das Münchener Firmierungen zählt zu Deutschlands größten Handelshäusern von Edelmetall und führt jene Meinungsbefragung seit 2011 jährlich vonseiten.

Daraus, dass die Nachfrage nach physischem Gold unterm Strich tendenziell mau war, macht Robert Hartmann keinen Hehl. „Für Edelmetallhändler war es in der Vergangenheit jederzeit schwierig, wenn der Goldpreis längere Zeit vor sich hingedümpelt ist“, sagt der Manager von „pro aurum“. Der harte Kern der Anhänger ist folglich weitgehend verpflegt, neumodische Käuferschichten kultivieren sich erfahrungsgemäß erst von Neuem binnen größeren Preisbewegungen – in die eine wie in die zusätzliche Änderung.

Anleger nehmen die Risiken wahr

Die geringe Schwankungsbreite beim Goldpreis hat offenkundig gleichermaßen die Ambitionen der Anleger an die künftige Veränderung beeinflusst. So stimmten dieses Mal der Aussage „Gold ist gegenwärtig eine lohnende Anlage, weil die Kurse steigen werden“ allein noch 45 % der Befragten zu. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber den Annos 2016 und 2017, als ebendiese Annahme noch für je 49 % zutraf.

Eine Erklärung für ebendiese Tendenz liefert etwaig die „Behavioral Finance“, ein finanzwissenschaftlicher Ansatz, der konventionelle wirtschaftswissenschaftliche Untersuchungsmethoden mit Methoden der Psychologie vereint. Dementsprechend neigen Anleger hierzu, Entwicklungen als in dieser Art bezeichnete „naive Extrapolation“ in die Zukunft fortzuschreiben.

 

Quelle: Infografik WELT

 

Auf der zusätzlichen Seite nehmen Anleger die Risikosituationen, die derzeit von ausgewählter Seite drohen, trotzdem anscheinend jedoch ernst – eine Tatsache, die zum Beispiel für die Aktienmärkte in dieser Art nicht erkennbar ist. Real entworfen sich die Gemengelage hin zu einem eher positiven Goldszenario.

Abgesehen von den Handelsstreitigkeiten nebst den USA, China und Europa sowohl der Unsicherheit über den Fortbestand der großen Koalition in Deutschland vor dem Hintergrund des Streits um das Asylrecht ist es in erster Regel die moderne Sorge um die europäische Gemeinschaftswährung, die tatsächlich für Gold kommuniziert.

„Das Italien-Thema schürt die Angst vor einem Aufflammen der Euro-Krise erheblich“, hat gleichwohl „pro-Aurum“-Chef Hartmann aufgedeckt. Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone hätte unabsehbare Konsequenzen für die Gemeinschaftswährung, unter denen Deutschland mit Blick auf seinen hohen Anteil an den Verpflichtungen der Europäischen Zentralbank ebenso den beinahe eine Billion € schweren Ansprüchen an das Kreditsystem Target2 besonders stark leiden würde.

Auch die Geldentwertung, ein geläufiges Argument für Gold als Inflationsschutz, ist plötzlich erneut auf der Agenda. So stiegen die Preise in der Euro-Zone im Mai laut Eurostat im Schnitt um 1,9 %, nachdem das Wachstum im April noch während 1,3 % gelegen hatte.

In Europas größter Volkswirtschaft Deutschland sind die Preise im Mai laut Statistischem Bundesamt überdies um im Schnitt 2,2 % geklettert, was der höchste Wert seit mehr als einem Anno ist.

„Geeignet für risikoscheue Anleger“
Vor diesem Hintergrund steigt der Anteil der Anleger, die in Gold eine sichere Anlage sehen, gegenüber dem Vorjahr klar. 60 % stimmen mittlerweile der Aussage „Gold ist eine geeignete Anlage für risikoscheue Anleger“ zu, im Vorjahr waren es noch allein 55 gewesen.

 

Quelle: Infografik WELT

 

In punkto Geldanlagenbesitz wenden sich die Anleger in Anbetracht überschuldeter Staaten, einer Geldpolitik, die gleichermaßen langfristig hohe Inflationsrisiken birgt und unkalkulierbarer Risikosituationen für die Euro-Zone Investitionen zu, die als Sachwerte von diesen Entwicklungen lukrieren. Der Besitz von Aktien (von 13 auf 15 Prozent), Fondsanteilen (von 17 auf 20 Prozent) und Immobilien (von 27 auf 31 Prozent) stieg gegenüber dem Vorjahr klar an.

Und gleichermaßen während Edelmetallen existieren diesen Trend: Goldbarren oder -münzen (von sieben auf zehn legen ebenfalls zu wie Silberbarren oder -münzen (von drei auf sechs). Nur beim Preis haben die Edelmetalle gegenüber den weiteren Sachwerten noch Nachholbedarf.

 

Bericht Quelle: www.welt.de