Warum Deutschland immer noch ein schwacher Games-Standort ist – und was sich ändern muss

34 Millionen Personen in Deutschland – in dieser Art viele Leute spielen den Erhebungen des Branchenverbandes “Game” entsprechend wiederholend Video- und Computerspiele auf Computer, Konsole oder Smartphone. Sie kommen aus allen Alters- und Bevölkerungsgruppen, beinahe 50 Prozent von ihnen sind Frauen, das Durchschnittsalter liegt innerhalb über 36 Jahren.

Zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene träumen folglich hierdurch, Spieleentwickler zu werden. Aber der schönen Demonstration, am anschließenden Konsolen-Blockbuster mitzuarbeiten, stehen viele Male schwierige Arbeitsbedingungen gegenüber. So geriet bspw. das Hamburger Entwicklerstudio Goodgame Studios vor einigen Jahren in die Kritik, als dort 28 Betriebsangehöriger entlassen wurden, von denen sich einige vorab für die Gründung eines Betriebsrates einsetzten. Die verbliebenen Angestellten stimmten als nächstes beinahe gegen einen Betriebsrat. Ein Anno später entließ Goodgame nicht wenige Hundert Betriebsangehöriger.

Dem gegenüber stehen Erfolgsgeschichten wie die des Mobile-Games-Entwicklers Fluffy Fairy Games, die ausschließlich zweieinhalb Jahre nach Gründung per se mehr als 60 Arbeitnehmer befassen und monatlich Millionenumsätze melden. Game-Geschäftsführer Felix Falk erklärt, wie die Arbeit in einem Spielestudio ausschaut:

Wie attraktiv ist es denn, in Deutschland für einen Spieleentwickler zu arbeiten?

 

Felix Falk: Insgesamt ist die Games-Branche ein sehr spannender Arbeitgeber. Man arbeitet in einem kreativen Umfeld, in dem Unterhaltungsprodukte geschaffen werden, die Hunderte Millionen Menschen weltweit erreichen. Das ist erstmal eine tolle Voraussetzung. Deshalb sind auch die entsprechenden Studiengänge mit ganz vielen motivierten jungen Leuten gefüllt. Zudem lernt man hier Fertigkeiten, Kompetenzen und Technologien, mit denen man auch in anderen Bereichen mit Kusshand genommen wird.

 

Und wie sieht es mit den Gehaltsaussichten aus?

Es existieren keine Gehaltsspiegel, aus dem man klare Zahlen ablesen könnte. Aber in Entwicklerberufen, in denen nicht ein Spiel, stattdessen eventuell technologische Systeme und Backends programmiert werden, können die Gehälter in sonstigen Branchen in gewissem Maße höher sein. Trotzdem haben sonderlich viele junge Personen Lust, an einem Kulturprodukt kreativ mitzuarbeiten und nehmen demnach gleichwohl hin, unter Umständen gleichwohl einmal nicht das meiste Kapital zu verdienen. In den höher qualifizierten Bereichen, also exemplarisch binnen Lead Designern oder Lead Producern, können die Gehälter gewiss genauso überaus hoch ausfallen. Nur ist das unerfreulicherweise ein Know-how, das wir im Moment noch enorm zu oftmals aus dem Ausland einkaufen müssen, weil es am schwachen Entwicklungsstandort Deutschland bloß schwer vor Ort entstehen kann.

Sie sagen, Deutschland ist ein schwacher Entwicklungsstandort. Die Games-Branche ist hierzulande zwar außerordentlich umsatzstark, nichtsdestominder nicht wahnsinnig groß: 12.000 Leute funktionieren hier für Spiele-Firmen, 30.000 sind es, wenn man angehängte Arbeitsplätze wie Dienstleister und Vertrieb mit dazuzählt. Woran liegt das?

Das ist in Wirklichkeit ausgeprägt weniger als es sein könnte. Kanada exemplarisch hat weniger als halb so viele Einwohner, trotz alledem mehr als doppelt in dieser Art viele Beschäftigte in der Games-Branche. Da zeigt sich, was eine gescheite Standortpolitik erreichen kann, wenn eine Zukunftsbranche bezuschusst wird. Auf Grund möchten wir ebendiese Richtung mit politischer Unterstützung genauso in Deutschland anstoßen. Derzeit kostet die Veränderung eines Spiels in Deutschland bis zu ein drittel mehr als in Frankreich, Großbritannien oder Kanada. Deswegen siedeln sich die großen Studios hier kaum an und die kleinen können sich nicht nachhaltig anlegen. Das ist ein großes Problem, das endlich gelöst werden muss.

Ist das Know-how in Deutschland denn überhaupt vorhanden?

Ja, die Expertise ist da, die Kreativität ist da, die kleinen Entwickler, die nach der Uni anfangen und ihr erstes Firmierungen gründen. Aber viele können Unternehmungen, die allzeit kostenintensiver werden, nicht finanzieren. Sie sind im Vergleich zu zusätzlichen Ländern abgehängt, weil dort die Unterstützung äußerst ausgeprägt ist.

Diese Unterstützung wünscht sich der Verband von Bund und Ländern, in erster Linie in Gestalt von Zuschüssen und Steuervorteile für Entwicklerstudios, die sich in Deutschland ansiedeln. Aber sobald es um Kultur- und Unterhaltungsprodukte geht, dreht sich die Disputation um realisierbare Förderung fix gleichfalls um weitere Kriterien als allein um die wirtschaftliche Dimension: Die populären Computerspiele, mit denen ein ökonomischer Fortschritt für den Entwicklungsstandort Deutschland gekoppelt wäre, sind oftmals für Kinder und Jugendliche ungeeignet. Pädagogisch wertvolle Spiele aus Deutschland, sozusagen die hiesige Games-Hochkultur, können entgegen etliche Male mit der internationalen Konkurrenz nicht mithalten.

Welche Spiele verdienen denn insbesondere die Förderung des Bundes? Pädagogisch insbesondere wertvolle Spiele? Oder gleichermaßen geschäftlich erfolgreiche?

Wir dürfen nicht inmitten guten und schlechten Spielen unterscheiden, wir dürfen nicht ausschließlich Serious Games und pädagogisch wertvolle Titel fördern. Gleichfalls in weiteren Games befindet sich großes wirtschaftliches, neumodisches und kulturelles Potenzial. Das gilt für marginale, mittlere und erhebliche Entwickler. Wir müssen nicht einmal ein frisches Programm erfinden, anstelle müssen problemlos ausschließlich auf die Förderung anderer Länder schauen. Wenn wir ein wenig Ähnliches anbieten, danach können wir gleichermaßen konkurrenzfähig mitspielen.